Experteninterview mit Martin Mißfeldt

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Hallo Martin,

freut mich, dass du dir die Zeit für ein schriftliches Interview genommen hast. Viele werden dich wahrscheinlich bereits kennen, schließlich bist du schon seit vielen Jahren in der Branche aktiv. Magst du dich aber Einsteigern doch noch mal kurz in ein paar Sätzen vorstellen?

Ich heiße Martin Mißfeldt und bin inzwischen 46 Jahre alt. Seit 25 Jahren arbeite ich mit digitalen Medien. Da ich freie Kunst und Malerei studiert habe, ist meine Leidenschaft das Erstellen von Bildern. Meine ersten eigenen Webprojekte habe ich 1998 gestartet. Im Jahr 2006 habe ich meine Künstlerhomepage www.martin-missfeldt.de überarbeitet und kurz danach festgestellt, dass einige Bilder besonders häufig besucht werden. Die Analyse zeigte schnell, dass die Besucher und die Google Bildersuche kamen. Das habe ich näher untersucht, und schwupps, war ich als Bilder-Seo aktiv. Zunächst habe ich meine Beobachtungen und Erkenntnisse in meinem Künstler-Blog geteilt, aber Anfang 2009 habe ich dann den www.tagSeoBlog.de ins Leben gerufen. Seither baue ich regelmäßig neue Webprojekte auf, die ich mit Werbung monetarisiere. Inzwischen kann ich (fast) davon leben (d.h. eine 6-köpfige Familie davon versorgen).

Du bist nicht nur Online Marketer und Gründer, sondern auch Künstler. Wie ist es dazu gekommen, dass du so völlig unterschiedliche Wege eingeschlagen hast und es sogar geschafft hast, diese miteinander zu verbinden? Kann man vielleicht sogar davon sprechen, dass eine gewisse Kreativität auch im Online Marketing bzw. im Content-Marketing von Vorteil ist?

Das Bindeglied ist die Vermittlung von Wissen (das hat aber gar nicht viel mit freier Kunst zu tun, sondern eher mit angewandter). Viele Zusammenhänge kann man mit Bildern sehr gut veranschaulichen. Wen ich eine neue Landingpage erstelle (ich schreibe auch alles selber), dann überlege ich zuerst: welche Bilder muss ich dafür erstellen? Den Text schreibe ich dann oft nur noch um die Bilder herum. Das bringt meinen Seiten oft einen Mehrwert, den andere Seiten nicht haben.

Kreativität ist ein ausgelutschter Begriff. Aber klar: es gibt heute keinen Beruf mehr, in dem es nicht von Vorteil wäre, kreativ zu sein. Es muss gar nicht unbedingt bildnerisch sein – entscheidend ist, dass man über andere, eigene, neue Wege nachdenkt, und dann mutig genug ist, die auch zu gehen. Insofern ist es nicht nur „von Vorteil, kreativ zu sein“, sondern zwingende Voraussetzung.

Online Marketing Einsteiger sind beim Lesen dieser Interviews natürlich auch sehr an Erfahrungen und Tipps von Experten interessiert. Wenn du so zurückschaust: Was hat dich im Online Marketing wirklich vorangebracht und was kannst du Einsteigern raten, wenn es darum geht möglichst effizient Know-how aufzubauen?

Es geht heutzutage um zufriedene Besucher (der Website). Entscheidend dafür ist, dass die Leute das bekommen, was sie erwarten. Das, was am Ende die Spreu vom Weizen trennt, ist nicht mehr der Inhalt an sich, sondern die Art, wie er vermittelt wird. Das hat viel mit der Zielgruppe zu tun (Ansprache etc.), aber eben auch Medien wie Bildern und Videos.

Interessanterweise habe ich rückblickend das Gefühl, dass ich nicht Seo hinterhergelaufen bin, sondern Seo ist zu mir gekommen. Ich habe nicht versucht, jede Seo-Entwicklung mitzumachen, Google auszutricksen oder Grauzonen auszuloten. Stattdessen habe ich an meinen Seiten gearbeitet und das getan, was ich als die „beste Vermittlung der Inhalte“ hielt bzw. halte. Und mit jedem Google-Update wurden meine Seiten weiter nach vorne gespült.

Es hat sich immer ausgezahlt, dass ich mir die Inhalte der Seiten zu eigen gemacht habe. Nie habe ich etwas erstellt, was mich persönlich nicht auch interessiert hätte. Man braucht eine gewisse Leidenschaft, um sich in ein Thema einzuarbeiten.

Ich würde daher jedem raten, nur solche Inhalte für das Online-Marketing zu bearbeiten, zu denen man auch eine persönliche Beziehung hat. Von dem Prinzip: Lukrative Keywords ermitteln, Nischen-Domain registrieren, Texte und Bilder einkaufen – und dann abkassieren halte ich nichts. Wer nicht selber schreiben kann (bzw. das lernen will), braucht einen Partner. Optimal scheint mir heute ein Gespann aus drei Leuten zu sein:

  • Konzepter (Keywords, Organisation)
  • Textredakteur (Schreiber)
  • Künstler (Bilder, Video)

Wenn die drei harmonieren, können sie es weit bringen. Hilfreich ist sicherlich, wenn alle drei Social-Media-mäßig gut vernetzt sind.

Du gehörst zu den SEOs, die sehr gut über die aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich informiert sind. Was kannst du angehenden SEOs raten, die in dieser Online Marketing Disziplin Karriere machen möchten? Welche Eigenschaften bringen einen als SEO voran und wie kann man tiefer in dieses Thema einsteigen?

Seo ist ein Weg, um Besucher zu bekommen. Google ist nach wie vor ein sehr wichtiger Traffic-Kanal, aber über Social oder Newsletter geht auch viel. Man muss schauen, wie sich die eigene Zielgruppe am effektivsten ansprechen lässt. Wer Google-Traffic braucht, hat es mit Google recht einfach: wer kreativ und gut Inhalte vermitteln kann, wird nach einiger Zeit Erfolg in den Rankings haben. Ich würde Neueinsteigern raten, sich nicht lange mit „Linkbuilding“ zu beschäftigen. Es reicht, wenn man weiß, dass Links immer noch wichtig sind – und dass man verlinkt wird, wenn man gute Inhalte hat. Um potentielle Linkgeber auf gute Inhalte aufmerksam zu machen, sind starke Social-Media-Kanäle sehr von Vorteil.

Das Jahr 2015 nähert sich dem Ende, da liegt es natürlich auf der Hand zu fragen, was du für das kommende Jahr alles geplant hast. Gibt es etwas, was du vielleicht ankündigen möchtest, oder für das du schon ein bisschen werben möchtest?

Nö, ich plane eigentlich fast nie länger als 2 Wochen im Voraus. Ich habe inzwischen gelernt, dass sowieso alles anders kommt 😉
Ich werde also weiter an meinen Projekten arbeiten und sie ausbauen. Und wenn sich irgendwo ein Randthema zu breit macht, dann lagere ich es auf eine neue Domain aus und habe damit ein neues OM-Baby geboren. Beispiel: aus www.sehtestbilder.de entstand www.brillen-sehhilfen.de, und daraus entwickelte sich www.lasikon.de. So habe ich einige „Stränge“, bei denen sich eins zum nächsten entwickelt. Daraus erwächst dann ein „Content-Network“, dass sich auch gegenseitig stärkt und Besucher vermitteln kann. Letztlich ist es bei allen das Gleiche: Man muss versuchen, die Besucher möglichst lange auf den eigenen Seiten zu halten und sich überlegen, was der User tun soll, damit man dann am Ende auch noch ein paar Cent verdient (wenn man es denn will)…

Ansonsten werde ich hoffentlich mehr Zeit finden, um Bilder zu malen – so wie immer.

Vielen Dank für das Interview und dir weiterhin viel Erfolg!

Danke, Dir auch – und auch allen Lesern 🙂

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